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Ganz besonders lohnend!
Jesus Christ Superstar mit starken Bildern

Ich komme gerade aus „meiner“ zweiten Vorstellung dieser Neuproduktion, die ich im Konzerttheater Coesfeld gesehen habe. 10 Minuten Standing Ovations gab es am Ende der Vorstellung. Und schon VOR der Premiere in Detmold hörte ich begeisterte „Insider“ Sätze um mich herum sagen, wie: „Tolle Aufführung! - Starke Bilder! - Macht viel Spaß!“ Ich unterstreiche jedes Wort, denn genau das kann ich wirklich bestätigen. Ich ziehe den Hut vor all den fantastischen Künstlerinnen und Künstlern, die in dieser Bühnenshow über zwei Stunden alles geben, um uns Zuschauer soghaft mitzureißen.

Natürlich profitiert das Musical auch von der unglaublich mitreißenden Musik, aber davon spreche bzw. schreibe ich gerade nicht. Es sind die Stimmen an sich und es ist auch die Inszenierung, die ich grandios umgesetzt finde. Es gibt zwar kein historisches Jerusalem, aber dennoch wird jedes Detail der Geschichte wunderbar zeitlos pur erzählt.

Ich habe „Jesus Christ Superstar“ mehrfach auf der Bühne erlebt. Keine der bis dahin von mir besuchten Inszenierungen hatte mich derart angesprochen. Ich hatte immer das Gefühl, die alte Passionsgeschichte will heute niemand mehr so wirklich sehen.

Ich freue mich deshalb riesig, dass wir diese szenische Interpretation in der kommenden Spielzeit auch bei uns auf der großen Bühne zeigen werden, denn hier ist emotional so viel los, jede Partie hat eine andere Farbe und ich finde zum ersten Mal, dass man so viel Menschliches aus diesem Stück heraushören kann. Die Figuren werden mit all ihren Fragen, Ängsten, Unsicherheiten und Machtansprüchen soooo realistisch glaubhaft erzählt. Dass der Regisseur, Götz Hellriegel, der seit der umjubelten „Addams Family“ 2019 bei uns ganz und gar kein Unbekannter ist, vom Bühnentanz kommt, das sieht man seiner Szenenführung an. Was Tempo und Dynamik angeht, zieht er gleich alle Register. Das Stück ist mit seinem unglaublichen Drive ununterbrochen in Bewegung. Was hier auf einer relativ kleinen Bühne hineininszeniert wird, verschlug mir den Atem. Wir erleben Jesus im Stück auch nicht ausschließlich als den Jesus aus der Bibel, sondern vielmehr als einen Jesus von heute, der zum Schluss zwar bibeltreu gekreuzigt wird, dennoch schweben bei dieser modern zeitlosen Interpretation auch die berechtigten Fragen im Raum mit: Wohin führen Massenhysterie und unkontrollierter Fanatismus? Was passiert heute mit einem Menschen, der anfänglich verherrlicht und dann fallen gelassen wird?

Ich freue mich schon jetzt auf das Gastspiel aus Detmold und kann mit voller Überzeugung den Satz sagen, mit dem das Stück quasi losgeht, wenn Judas singt: „Ich sehe nun alles klar“!

Ich möchte keine Vorab-Rezension schreiben, niemanden mit meiner persönlichen Sicht beeinflussen, denn Meinungen darüber was gefällt und was nicht gehen gerade am Theater lebendig auseinander. Aber ich möchte an dieser Stelle unbedingt meine Begeisterung für die brillante künstlerische Leistung und gar nicht verstaubte Regiearbeit mitteilen. Ich greife mal vor und mutmaße, dieses Stück wird mit dieser Solistenbesetzung und mit diesen starken Bildern ein Tophit in der neuen Spielzeit werden.

Das sind nur ein paar Stichworte, da gäbe es noch ganz viel zu erzählen …

Ihre Musikdramaturgin
Helga Christel Gemsa