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Frau Luna - Auf zum Mond

Laut NASA steht die nächste Mondlandung 2025 an. Wir sind schneller. Schon am 15. April zischen wir ab direkt auf den Mond. Seien Sie dabei. Ich verspreche Ihnen eine Abenteuerreise, die einen Heidenspaß macht – und das ganz ohne Navigationssystem.

Doch - WIE fliegt man im Theater eigentlich zum Mond? Ich wollte es genauer wissen, fragte beim Landestheater nach und hatte das große Glück, mich in den Werkstätten einmal genauer umschauen zu dürfen. Und - JA – ich muss wirklich sagen: Diese Mondlandung ist maßgeschneidert und fordert heraus.

Ich treffe zuerst Anna, die Produktionsdramaturgin und später auch Jule Dohrn-van Rossum, die Ausstattungsleiterin. Sie nimmt mich mit auf einen spannenden Rundgang hinter die Kulissen. Ein gutes halbes Jahr vor der Premiere liegen die Ideen für die Ausstattung vor. Später gibt es die Bauprobe, danach kommt es zur Werkstattübergabe. Zunächst beginnen die Tischler und die Schlosser mit der Arbeit am Bühnenbild, bevor die anderen Werkstattbereiche die Dekorationen übernehmen und Vorhänge oder Polsterbezüge anfertigen.

Es ist ein wahres Event, mittendrin zu sein, die zahlreichen Räume und engen Gänge passieren zu dürfen und zu sehen wie hier eine fantasievolle Mondlandschaft entsteht. Überall wird gemalt, gebohrt, geschraubt und gehämmert bis diese Mondreise bühnentauglich ist.

Ich gehe mit großen staunenden Augen vorbei an etlichen Farbtöpfen. Herrlich! Es herrscht auch kein Chaos. Alles ist exakt geordnet. Jeder Besen, jeder Pinsel, jeder Schraubenzieher hat seinen festen Platz. Im Werkstatt-Alltag gibt es eben ganz andere Dimensionen als die in unserem täglichen Leben.

Noch ist die Mondkulisse weit entfernt, so auszusehen wie sie zu den Vorstellungen aussehen wird. Funktioniert ein Detail nicht, läuft das ganze Getriebe nicht. Und damit es später während der Vorstellung keine bösen Überraschungen gibt, wird immer wieder auf die Vorgaben des Bühnenbildmodells geschaut, verglichen und kontrolliert, ob alles korrekt gemessen wurde. Mit Änderungen müssen aber alle bis zum Schluss noch rechnen.

Wie weiß-grau und karg der Mondkrater aussieht!

Dafür ist es im Malersaal umso farbenfroher.

Fast wie vergessen hängt er da oben - zum Trocknen unter der Decke - unser Planet - die Erde; und in gleich mehreren Größen.

Über den Innenhof und vorbei an der Dekorationswerkstatt komme ich zur letzten Tür auf meinem Rundgang. Das ist genau meine Abteilung: - fantasievolle und üppige Kostüme. Hier bin ich im Reich der Stoffe, wo Schere, Nadel und Zwirn regieren. Und dass Theaterkostüme nur billige Anfertigungen sind, stimmt auch nicht. Was auf der Bühne prachtvoll aussehen soll, wird auch prachtvoll hergestellt; mit Schnallen, Schleifen, Rüschen, Tüll und Seide.

Da sind sie wieder: Die Figurinen. Ich habe die gezeichneten Kostümvorlagen schon zuvor im Probenraum an der Wand hängen sehen. Hier werden sie nun exakt in die passenden Schnittmuster umgesetzt. Das verlangt viel altes Handwerk. Denn auf den Zeichnungen sieht man nur Falten und Schößchen. Wo die Nähte anzubringen sind, damit das Kostüm später so fällt wie auf den Figurinen gezeichnet, das müssen die Zuschneiderinnen meist selbst austüfteln. Und bei dieser Mondreise kommen ganz schön viele Kostüme zusammen. Hunderte Meter Stoff sind es gewiss geworden. 

Die fertigen Kostüme werden das erste Mal erst kurz vor der Premiere zur 1. Hauptprobe getragen. Jule sagte so bildhaft schön: Das sei für sie ein bisschen wie Weihnachten, erst wenn alles offen ausgepackt ist, kann man sehen, ob das Geschenk wirklich gefällt, oder ob eine Naht hier und da noch zwickt.

Plötzlich fragt jemand von hinten: Wer ist das denn? Ich schaue mich um und da merke ich: Ich bin gemeint! Ja-klar! Im Theater kennt jeder jeden, das ist wie eine große Familie. Und wenn dann doch mal ein fremdes Gesicht auftaucht und auch noch in die tiefsten Geheimnisse hinter dem Vorhang eintauchen möchte, das fällt sofort auf. Also stelle ich mich erst einmal vor und erfahre anschließend noch viele weitere schöne Details über diese maßgeschneiderte Mondlandung.

Die hochgepriesene Weltraum-Perspektive mit Blick auf die Erde – die gibt es in dieser Mond-Geschichte natürlich auch. Lassen Sie sich überraschen. Es ist ein faszinierend schönes Bild unseres Planeten, das sich die Bühnenbildnerin hier hat einfallen lassen.

Gerne möchte ich zum Schluss einen kurzen Blick in die Vormittags-Probe machen und das darf ich auch- mal ganz kurz hineinschauen – ganz leise. Ich stehe ganz hinten auf der Hauptbühne und bin sprachlos … Denn – diese Operette zündet auch heute noch.

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Wir sehen uns – auf dem Mond!

Ihre Musikdramaturgin Helga Gemsa