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AUERHAUS

EINER FLIEGT RAUS
„Auerhaus“ feierte Premiere im tjg. [theater junge generation Dresden]
Als der deutsche Autor Bov Bjerg 2015 seinen Jugend-Roman „Auerhaus“ veröffentlichte, war ihm ein großer Wurf gelungen. Die Geschichte der sechs sehr unterschiedlichen Jugendlichen, die auf einem Dorf in Hinter-Deutschland in ein verwaistes Haus ziehen und dieses mit einem radikal-alternativen Lebensentwurf füllen, beunruhigte und berührte die Leserschaft sofort. (…) So ist es sicher kein Zufall, dass das tjg unter der Intendanz von Felicitas Loewe „Auerhaus“ (…) ausgewählt hat. (…)


Und dann leben sie, genau wie Jugendliche vermutlich zu allen Zeiten leben wollen. (…) Es gibt Nudeln mit Ketchup, Zweiliterflaschen Wein, die Musterungsakte im Tiefkühlfach, Joints, Partys und Ladendiebstähle für die Aufbesserung der Gemeinschaftskasse sowie des Freiheitsgefühls. Es ist herrlich einfach und erschreckend kompliziert, unglaublich befreiend und extrem grenzverletzend. Regisseur Philippe Besson und Dramaturgin Kathi Loch lassen die Musterungsszene ganz von oben herab sowie im regionalen Dialekt spielen. So als gäbe es noch das Königreich Wüttemberg als Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oder gar das Deutsche Reich vor 1945. In der Welt der Jugendlichen aber wird Hochdeutsch gesprochen – ein guter Einfall, der den „geteilten Himmel“ in ein Bild übersetzt.
Ganz hervorragend gelungen ist auch die Einbindung der Songs, nicht nur des namengebenden „Our House“ von Madness. Keiner der Songs wirkt zufällig, jeder wird von den Schauspielern in Bewegung umgesetzt. Bis es zum Schluss einfach „groovt“ und das „coole“ Gefühl auch noch auf dem Nachhauseweg da ist. (…)
Wie die Gemeinschaft scheitert, ist noch einmal sehenswert, ein „ganz großes Kino“ mit Spritztour im Amischlitten, Pistolenattrappe und Gerichtverhandlung.
Andrea Rotte, Dresdner Neueste Nachrichten, 22.04.2017

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